Im Endeffekt sind die Oriental-Katzen sehr unkomplizierte Tiere. wenn man etwas Grundlegendes beachtet: Vor der Anschaffung sollte man sich überlegen, ob man die Ansprüchen des zukünftigen Mitbewohners erfüllen kann. Aber dennoch vertrete ich die Meinung, dass eine Oriental-Katze nicht zwingend eine Katze für einen Katzenneuling ist (ein Ferrari ist auch nicht zwingend was für jemanden, der gerade den Führerschein gemacht hat, das geeignete Auto). Wer sich für einen Orientalen entscheidet, sollte in der Lage sein, sich in das Tier hineinzuversetzen. Willens sein, das Tier zu verstehen und auf seine Bedürfnisse einzugehen.

Alle Oriental-Katzen sind sehr menschenbezogen. Vor diesem Hintergrund muss man sich genau überlegen, ob man erstens bereit dazu ist so in Beschlag genommen zu werden und zweitens, ob man nicht besser zwei Tiere nimmt, wenn man berufstätig ist und damit viele Stunden nicht zu Hause ist.

Oriental-Katzen lieben die menschliche Gesellschaft. Sie sind immer da zu finden, wo sich ihr Mensch oder ihre Familie aufhält. Auch wenn es so turbulent wie bei uns zugeht, nur wenn es wirklich zuviel wird, suchen sie sich ein ruhiges Plätzchen. Der Umgang mit den Kindern ist schier unglaublich. Wir haben drei Kinder zwischen 1 und 5 Jahren und Ihr wisst ja, dass Kinder manchmal doch sehr toben. Denkt ja nicht, dass die Katzen den ganzen Tag in der Ecke sitzen und warten, dass die Kinder ins Bett gehen. Im Gegenteil: Es wird mitgetobt und Unsinn gemacht. Positiv ist mir auch aufgefallen, dass diese Tiere unbeabsichtigte, unbeholfene Knuffe akzeptiert, schlimmstenfalls mit einem vorwurfsvollen Gemaunze.  Die Katzen sind jederzeit bereit, mit den Kindern gemeinsam Blödsinn zu machen. Dies ist eben auch ein grundlegender Wesenszug dieser Tiere: Sie sind bis ins hohe Alter temperamentvoll. Es wird gespielt und getobt was das Zeug hält. Wobei sie aber außerordentlich vorsichtig sind. Nur selten geht im wilden Spiel etwas zu Bruch. Auch aufgrund ihres Spieltriebes wäre meine Empfehlung mind. 2 Siamkatzen zu halten. Keine Angst, dies bedeutet nicht, dass die beiden sich dann in erster Linie mit sich selbst beschäftigen und wir zum reinen "Dosenöffner" mutieren. Wir haben hier 5dieser wunderbaren Tiere und trotzdem werden wir belagert und zum Spielen aufgefordert. 

Ein weiterer und nicht unbedeutender Wesenszug ist die Art der Kommunikation der Siam. Euer zukünftiges Familienmitglied ist ein sehr forderndes Tier, was seine Forderungen auch durch Einsatz der Stimme bedeutungsvoll unterstreicht. Ein Beispiel: Während diese Seiten entstanden, saß ich oftmals lange am Computer, so dass das abendliche Kuscheln etwas unter den Tisch fiel. Irgendwann wurde es Aloueth zu dumm und sie setzte sich mit einem vorwurfsvollen Blick auf meinen Schoß und fing an, mir in einem noch vorwurfsvolleren, lauten Ton mitzuteilen, dass sie nun nicht länger warten wollte. Oder Malioth, der es einfach nicht ausstehen kann, wenn ich spätabends in der Küche sitze und telefoniere: Sein Gemecker ist im ganzen Haus zu hören. Damit dann nicht die Kinder geweckt werden, muss ich entweder aufhören zu telefonieren oder ihn auf den Schoss nehmen. Dann muss ich allerdings meinem Gesprächspartner oftmals die merkwürdigen Geräusche erklären (Ihr glaubt gar nicht, wie laut das Schnurren eines zufriedenen Siamkaters sein kann !).

Aber auch so, sind die Oris sehr mitteilungsbedürftig. Wir haben im Frühjahr ein kleines Stück unserer Terrasse eingezäunt, damit die Tiere die Möglichkeit haben, sich zu sonnen, an frischen Grashalmen zu knabbern oder aber Fliegen zu fangen. Die "Unterhaltungen" der Tiere untereinander hört man noch bei meinen Eltern auf dem vorderen Grundstück.

Generell ist die Siam eine sehr aufgeschlossene Katze. Fremde müssen sich zwar einem "Test" unterziehen, in dem er beweisen muss, dass er "geeignet" ist, werden aber zumindest immer freundlich in Empfang genommen.

Was das Zusammenleben mit den Siamkatzen so angenehm macht, ist ihre Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe. Sie lernt sehr schnell, was erlaubt ist und was man besser unterlassen sollte. Allerdings haben diese Katzen auch einen sehr eigenen Kopf und man kann sich fast zu 100% sicher sein, dass das eine oder andere Verbotene in Abwesenheit der Menschen doch gemacht wird.

Auch wenn viele Liebhaber dieser Tiere sagen, dass das Wesen dieser Katzen sehr dem Wesen eines Hundes ähnelt, bleiben es selbstständige, manchmal auch eigenwillige Tiere, denen zwar der Mensch sehr wichtig ist, aber nicht wichtig genug, um sich seinem Willen zu unterwerfen.

 

 
Was besagt das unwahrscheinlichste Blau der Augen, wenn ihrem Blick der Ausdruck fehlt,
 der erst durch die liebevolle Einstellung des Herrn auf das einzelne Geschöpf erwacht....,
denn sein Gemüt öffnet sich nur dem verständnisvollen menschlichen Freund und in der Wärme
 eines wirklichen Heimes.

M.Lorscheid