Tierverrückt war ich immer schon. Als Kind hatte ich einen Hund, ein Pferd und Goldhamster. Etwas später dann zahme Ratten. Ich war immer der Meinung, dass ich am ehesten in die Kategorie Hundemensch gehöre. Jedenfalls solange, bis unser Haus soweit fertig war und wir wieder aufs Land zogen. Eines Tages kam ich dann auf die spontane Idee zusätzlich zu unseren Hunden auch noch ein Kätzchen anschaffen zu wollen. Fragt mich nicht, woher diese Eingebung kam. Spontane Ideen gehören zu mir, wie Regen zu Hamburg. Also schnappte ich mir Marie-Therese, mein völlig begeistertes, damals 1,5 Jahre altes Töchterchen und machte mich auf den Weg ins Tierheim um nach einem Katzenbaby Ausschau zu halten.

Was kommen musste war eigentlich jedem klar, nur mir natürlich nicht: Kaum im Tierheim angekommen brachte man uns zu dem Wurf 6 Wochen alter Kätzchen, die nicht unbedingt im besten Zustand waren. In der hintersten Ecke saß der wunderschöne schwarze Jaquille (ja, den Namen habe ich ihm gegeben) an seinen Bruder Elois gekuschelt. Marie-Therese und ich waren uns wieder mal einig, das wir es auf keinen Fall übers Herz bringen könnten die Brüder zu trennen und entschieden uns, spontan versteht sich, für beide. Nachmittags fuhren wir dann erneut zum Tierheim, erledigten die Formalitäten und nahmen unsere Kater mit nach Hause. Es folgte eine doch sehr turbulente Zeit. Zum einen weil unsere beiden Hunde zwar Katzen noch nie als Feinde angesehen haben, aber dennoch noch nie mit diesen Tieren unter einem Dach gewohnt hatten. Für meine weiße Schäferhündin brach Weltuntergangsstimmung aus, als Jaquille drei Tage nach seinem Einzug mit stolz erhobenen Schwanz schnurstracks auf ihre Decke stolzierte und sich an sie kuschelte. Dieser große Hund zitterte am ganzen Körper während das Katzenbaby seelenruhig vor sich hin schnarchte. Damit war aber die anfängliche Scheu zwischen den Tieren überwunden und es gab nicht ein einziges Problem. Außer das der eine oder andere Hund tobenderweise hinter den beiden Kätzchen hinterher rannten und zeitweilig Probleme mit dem Bremsen hatten. Aber der Apfelbaum steht heute noch geduldig an genau der gleichen Stelle. 

Das andere, für mich schwerwiegendere Problem war, dass mein Umfeld mich immer wieder daran erinnerte, dass ich hochschwanger und somit anscheinend eh permanent von bösartigen Bakterien und Viren bedroht wurde, so dass man es unverantwortlich von mir fand, in diesem meinen Zustand auch noch Katzen ins Haus zu holen. Sicher, Toxoplasmose ist eine nicht unbedingt angenehme Erkrankung und für ein Ungeborenes sehr gefährlich. Dazu muss man aber sagen, dass Toxoplasmose von Katzen lediglich über die Exkremente übertragen wird und, wie mein Frauenarzt mir auch bestätigte, durch Einhaltung von ein paar Hygiene Maßnahmen das Risiko auf ein Minimum reduziert werden kann (vielleicht sollte man sich dann auch mal in Erinnerung rufen, dass es viel wahrscheinlicher ist, sich durch den Verzehr von ungewaschenem Obst mit Toxoplasmose zu infizieren. Doch dazu mehr unter dem Punkt Gesundheit). Nachdem ich also die ständigen Schwarzmaler damit beruhigt hatte, kam man dann auf die Idee Horrorgeschichten zu erzählen, um die Bedrohung, die Katzen für Babys und kleine Kinder eindrucksvoll zu unterstreichen. Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass mich die Geschichten nicht im mindesten berührt haben. Mal ganz abgesehen davon, dass wir mittlerweile 3 gesunde Kinder im Alter zwischen 1 und 5 Jahren haben sowie 5 Katzen. Unseren Kindern haben die Katzen in keinster Weise geschadet, eher im Gegenteil.

Mein Mann und ich trennten uns vor nunmehr knapp 3 Jahren und Jaquille begleitete ihn (Leider hat mein schöner stolzer Jaquille im Jahr 2001 seine Freiheitsliebe mit dem Leben bezahlt. Vielleicht, wenn er hier geblieben wäre....... ). Im Frühjahr 2000 verschwand meine Neva-Masquerade Kätzin Bella von heute auf morgen. Sie hatte wie alle anderen Katzen bis zu dem Zeitpunkt auch, jederzeit die Möglichkeit, draußen auf Mäusejagd zu gehen und war immer eifrig bemüht mir von ihren Streifzügen die eine oder andere Maus mitzubringen und mir als Guten-Morgen-Gruss auf mein Kopfkissen zu legen. Ich fand Bella ein paar Tage nach ihrem Verschwinden hinter unserem Garten in einem Unterschlupf zwischen den Bäumen. Für mich war nicht das schlimmste, dass sie abgemagert war. Vielmehr haben mich ihre Augen und vor allem die Angst in ihnen zur Raserei gebracht. Ich verstand die Welt nicht mehr. Unsere liebevolle Bella, die mit mir spazieren gegangen ist, hatte Angst vor uns. Ich versuchte sie erfolglos zu füttern, wollte mit ihr schmusen, aber sie wollte nur eines: wieder nach draußen. Wir saßen auf dem Sofa und streichelten sie und redeten mit ihr. Mir wurde dann plötzlich klar, warum das arme Tier nicht fressen wollte: Sie hatte vorne am Hals eine kreisrundes, 5 cm großes sehr tiefes Loch. Umgehend bin ich mit ihr zum Tierarzt gefahren. Die Wunde wurde gesäubert, vernäht und ich fuhr mit ihr nach Hause. Wir hatten beschlossen, Bella zu meinen Eltern zu geben, damit sie Ruhe hat und zu Kräften kommen kann. Eine Woche lang bin ich jeden Abend um Schlag 08.00 Uhr zu meiner Mutter gegangen und habe mit Bella geschmust. Ich wurde auch immer erwartet. Nach der Kontrolluntersuchung, waren wir der Überzeugung, dass sie über den Berg sei und nahmen sie mit nach Hause. Bei der erstbesten Gelegenheit verschwand Bella wieder nach draußen. Ich habe sie tagelang vergeblich gesucht. Sie kam nicht zurück. Dazu muss noch gesagt werden: Mein Tierarzt ist heute noch der Überzeugung, dass Bellas Verletzung von Menschenhand stammt. Denn weder ein Stacheldrahtzaun reißt runde Löcher, noch die hier in der Gegend vorhandenen Bussarde.

Jetzt war das Thema Katze Tabu. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Katzen ohne Freigang ein glückliches, zufriedenes Leben führen könnten. Auf der anderen Seite wollte ich meine Kinder und mich vor dem Schmerz, den man beim Verschwinden eines geliebten Haustieres empfindet, schützen. Ich schlug mich wacker. Zumindest für drei Monate. Dann las ich wie jeden Sonntag die Haustierrubrik in unserem Käseblättchen und stolperte über eine Anzeige:
 

Siamkatzenbabies m. Stammbaum, geimpft, kastr., aus Hobbyzucht an Liebhaber zu verk.

Ihr könnt Euch kaum vorstellen, wozu ein tierverrückter Mensch in der Lage ist, wenn er die Möglichkeit sieht, "sein" Tier bekommen zu können. Ich rief logischerweise sofort unter der angegebenen Rufnummer an. Zwar fühlte ich mich eher, wie ein verliebter Teenie, der seinen Schwarm aus der Oberstufe anruft als ein interessierter Käufer, aber nunja. Ich hatte Glück,, es war jemand zu Hause und schon begann die Fragestunde.
 

Nach diversen Telefonaten war es dann soweit: Ich fuhr hin, um mir diese Tiere einmal anschauen zu können. Das war definitiv ein Fehler. Nicht im negativen, auf gar keinen Fall. Aber wir hatten kaum das Haus betreten, als ein Tier schöner als das andere durch die Gegend fegte (für diese eleganten und grazilen Geschöpfe ist dies sicher nicht das richtige Wort, aber es sind nun mal wahnsinnige Energiebündel). Im nachhinein hat mir jeder gesagt, dass es klar war, dass es nicht bei einer Siamkatze bleiben würde. Zählt die Entschuldigung, dass ich erneut Marie-Therese dabei hatte und wir uns partout nicht einigen konnten und uns somit wieder für ein Geschwisterpaar entschieden haben?

 

Auf den nächsten Seiten werde ich Euch die Ergebnisse aus den ersten Treffen dieser wunderschönen Tiere zeigen.
Vielleicht gelingt es mir mit diesen Seiten, die Faszination, die von den Oriental-Katzen ausgeht weiterzugeben.